Erntedank

Erntedank

Predigttext für den 05.10.2008, Erntedank-Sonntag, Hebr 13, 15+16

Der Predigttext für den heutigen Sonntag steht im letzten Kapitel des Hebräerbriefs, und bevor Sie
gleich diese biblischen Worte hören und wir dann in den Text einstiegen, bedenken Sie bitte, heute
ist das Erntedankfest, und wir befinden uns hier auf erstklassigem Ackerboden. Halten Sie diese
Tatsache im Hinterkopf, nachher gibt es mehr zu diesem Thema. Jetzt also der Hebräerbrief, Kapitel
13, 15+16:
Durch ihn wollen wir Gott allezeit als Opfer ein Lob darbringen, das heisst die Frucht der Lippen,
die seinen Namen bekennen. Vergesst nicht, einander Gutes zu tun und an der Gemeinschaft
festzuhalten, denn an solchen Opfern findet Gott gefallen.
Von Ernte und Ackerfrüchten steht hier erst einmal gar nichts, vielmehr ist von der Frucht der Lippen
und vor allem von Opfern die Rede. Vielleicht wissen Sie es, wenn nicht, dann sei an dieser Stelle
erwähnt, dass der Hebräerbrief als Ganzes fast schon eine Sonderstellung im Neuen Testament
einnimmt, weil er in epischer Breite den Opfergedanken aufgreift und so etwas wie eine
Opfertheologie entwickelt. Um Missverständnissen vorzubeugen: mit Opfer ist hier der religiöse
Begriff gemeint, nicht das, was die Alltagssprache als Unfall- oder Unglücks- oder Verkehrsopfer
bezeichnet. Diese wären besser als Betroffene oder Geschädigte zu beschreiben.
Wenn jemand seine Freizeit opfert und beispielsweise im Fussballverein als Jugendtrainer eine
Nachwuchsmannschaft betreut, dann gibt dieser Mensch etwas her, was sich in seinem Besitz
befindet und worüber er im Regelfall frei verfügen kann, in diesem Falle eben seine Zeit. Dass Zeit
auch Geld ist, ist nicht nur eine alte kapitalistische Binsenweisheit, und doch kommt es vom
Wesen her dem Opfer schon etwas näher. Es ist eine Art Abgabe - freilich bleibt zu fragen, ob sie
gerne und freiwillig oder aufgrund eines geschriebenen oder ungeschriebenen Gesetzes erfolgt. Wer
also nach dem Gottesdienst etwas in die Kollektenbüchse wirft, kann das von Herzen tun oder
schlicht deshalb, weil es sich so gehört. Pflicht und Zwang hingegen stehen im Vordergrund, wenn
der Staat seine Steuern erhebt - auch dies kann ohne Murren geschehen, wenn wie in den
skandinavischen Ländern eine hohe Steuerquote einen funktionierenden Wohlfahrtsstaat ermöglicht
- und nicht der Spieltrieb, die Unfähigkeit und das Missmanagement von Bankhäusern mit dem
Geld der Staatsbürger finanziert wird.
Wer also aus seinem Vermögen etwas an eine übergeordnete Institution abzweigt, führt eine
Tradition fort, die schon im alten Israel Bestand hatte und in erster Linie religiös motiviert war. Um
den Unterhalt des Tempeldienstes in Jerusalem sicherzustellen und die dort tätigen Leviten, also
die Priesterschaft, zu alimentieren, waren Abgaben in Form von Naturalien und auch Geld nötig,
meist in der Höhe des Zehnten. Und gleichzeitig war diese Praxis in genau festgelegte Ordnungen
und Rituale eingebunden, und erhielt so über den konkreten Anlass, z.B. eben auch Erntedank,
einen spirituellen Charakter.
Ein Opfer wird in diesem engeren und eigentlichen Sinne zu einer Grundform religiöser Äusserung,
die der Kommunikation mit der Gottheit dienen soll - mit dem Ziel der Versöhnung. Hier haben die
Israeliten Gebräuche ihrer Nachbarvölker im alten Orient übernommen - schlicht mit dem
Hintergedanken und zu dem Zweck, Gott gnädig zu stimmen, und dies meist angesichts
gefährlicher oder lebensbedrohlicher Situationen. Dieses archaisch anmutende Darbringen von
Tieren (und in geringerem Umfang auch von Getreide, Mehl oder Olivenöl) fand auf einem Altar statt.
Und das Wort Altar bedeutet übersetzt «Ort, an dem geschlachtet wird». Anfangs geschah dies im
Freien, auf Hügeln oder besonders herausragenden Steinen und verstreut im ganzen Land, und
später (in Israel) zentralisiert im Jerusalemer Tempel. Um es sich klar zu machen: dieses prunkvolle
Gebäude war ein Schlachthof mit fast schon fliessbandmässigem Töten, und hier setzt auch die
Kritik der Propheten ein: was anfangs gut gemeint war, nämlich durch die Sühneleistung des
Hergebens von Nutztieren aus dem eigenen Besitz, dass also durch Kapitalverlust eine Vergebung
der Verstösse gegen die göttlichen Gebote ermöglicht wird - das führte dann fast schon
zwangsläufig zu einem leeren Erstarren im Ritual ohne inhaltliche Änderung der alltäglichen
Verhaltenspraxis, besonders der sozialen Ungerechtigkeit. Ohne diese Verfehlungen hätte es des
Opfers gar nicht gebraucht, und so driftet die Angelegenheit, nicht nur, weil lediglich auf die
Anrechnung spekuliert wird, immer mehr ins Absurde.
Sie werden sich an dieser Stelle vielleicht fragen: was sollen diese langatmigen Erklärungen, was
haben die denn mit Erntedank zu tun? Bitte haben Sie noch einen Moment Geduld!, denn jetzt wird
es interessant, zumindest, wenn wir den Text aus dem Hebräerbrief halbwegs richtig verstehen
wollen. Wie der Name schon sagt: an die Hebräer, denn der uns unbekannte Verfasser nimmt hier
dieses jüdische Opferritual zum Anlass, die Rettung der Menschen durch Jesus Christus zu
illustrieren.
Also: zum Opfern waren nur ausgesuchte Menschen befugt, eben die Priesterschaft, und dieses
auserwählte Kultpersonal vollzieht dann die rituelle und choreographierte Handlung - die Versöhnung
allerdings geht von Gott aus, gerade in diesem Schema: er ist es, der diesen Akt akzeptiert, was
nicht weiter überraschend ist, schliesslich kommt diese Form der Schuldvergebung von ihm. Doch
irgendwann und irgendwie war dies der Weisheit letzter Schluss wohl nicht - durch die Geschichte
hindurch und in den biblischen Schriften bezeugt sind die Menschen gescheitert, dem göttlichen
Willen gemäss zu leben und ihn als den Einen zu ehren - von diesem Umstand kann keine
Opferzeremonie ablenken.
Das grosse Versöhnungsfest (Yom Kippur), in dem alljährlich die israelitische Opferpraxis gipfelt,
an dem Tag, an welchem der Hohe Priester stellvertretend für das ganze Volk das Allerheiligste im
Tempel betritt, den Altar mit Blut besprengt, zwei Böcke nimmt, den einen opfert und schlachtet und
den anderen mit den Sünden aller Menschen beladen in die Wüste jagt (zu Azalel, einem
Wüstendämon) - diesen Gedanken greift der Autor des Hebräerbriefes auf und deutet den Tod Jesu
Christi als Selbstdarbringung (wenige Verse vorher, in Hebr 13,12, bringt er Jesu Tod auf Golgotha
sogar mit der Vorschrift in Verbindung, dass der Schlachtabfall ausserhalb der Stadtmauern zu
erfolgen hatte). Der Mann aus Nazareth selbst fungiert als Hoher Priester und gibt sich in
Personalunion hin als Versöhnungsopfer für die Menschen, für uns hier in diesem Gottesdienst.
Das mag erst einmal hart klingen, grausam, ja unglaublich, doch so verstanden ist damit ein für alle
Mal die endgültige Sühneleistung vollbracht. Das Prinzip der Unwiederholbarkeit und die Tatsache,
dass Jesu Opfer alle künftigen überflüssig macht, daran erinnern wir uns jedesmal beim
Abendmahl, und weil keine Opfer mehr nötig sind und in christlichen Kirchen nicht geschlachtet wird,
ist es eigentlich Unsinn, vom Altar zu sprechen. Das Urchristentum jedenfalls kannte genau aus
diesem Grund keine solchen Möbelstücke in ihren Versammlungsräumen, sondern lediglich einen
Abendmahlstisch, so wie er heute noch in der Reformierten Kirche bezeichnet wird.
Was sie jedoch kannten - und jetzt sind wir mitten im Predigttext -, das ist der Dank an Gott für sein
Erbarmen mit seinen Geschöpfen, die er nicht verloren gibt: «Denn durch ihn (d.h. Jesus) wollen
wir Gott ein Opfer darbringen, das heisst die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen.»
Der Dank gilt Gott, wem sonst, für seine Rettung, seine wundersame, wunderbare Rettung der
Menschen, die im Tod Jesu verborgen liegt und die mit den Methoden der Logik nie völlig zu erklären
ist. Eben deshalb hat das Bekenntnis zu Christus mehrere Besonderheiten: es ist eine
Notwendigkeit, ein Wagnis und etwas, was zu leisten und begreifen nicht in der Macht der
Menschen steht. Alles, was Sie bis hierhin gehört haben, waren nur Annäherungen, den Glauben
selbst kann nur der heilige Geist bewirken. Mühe geben müssen wir uns jedoch schon, darum
noch ein wenig weiter.
Die Erlösung durch Christus stellt also die Gemeinschaft mit Gott wieder her, macht die Beziehung
wieder heil, und dies in einem Danklied wie dem Psalm 50 zum Ausdruck zu bringen - hierin besteht
das Opfer der Lippen, von welchem der Hebräerbrief spricht und das wir anstimmen sollen und
dürfen.
Doch der Text hört mit diesem Zuspruch noch nicht auf; und immer noch ist kein klarer Bezug zum
Erntedanktag erkennbar - wo soll das hinführen? Zu einer Ermahnung: «Vergesst nicht, einander
Gutes zu tun und an der Gemeinschaft festzuhalten, denn an solchen Opfern findet Gott
gefallen.»
Die Bibel in gerechter Sprache übersetzt hier das gute Verhalten untereinander mit
«teilen». Darin steckt wiederum etwas von dem vorhin Gesagtem zum Thema opfern und abgeben.
Der Predigttext hat im ersten Satz das Dankgebet und im zweiten das Dankopfer zum Inhalt. Beide
«setzen einen Sinn für Gerechtigkeit voraus; gehen sie nicht einher mit gerechtem Handeln im
Alltag, dann wird gottesdienstlichen Danken vor Gott und der Welt unglaubwürdig» (Zürcher Bibel,
Glossar, Seite 23).
Dieser programmatische Spruch gilt gerade am Erntedanktag. Wir wissen es nicht genau und
möglicherweise sitzt hier im Gemeindezentrum eine wirklich bedürftige Person, doch im Grossen
und Ganzen herrschen hierzulande nicht die existenzbedrohenden Armutszustände wie in den
frühen christlichen Gemeinden des ersten Jahrhunderts, an die der Hebräerbrief gerichtet wurde (die
Forschung streitet, ob es sich eventuell um eine fiktive und nicht lokalisierbare Gemeinde gehandelt
haben könnte, was für uns unerheblich ist). Vielleicht erinnern Sie sich noch an die
Eingangsbemerkung der Predigt - wenigstens dunkel. Genauso dunkel ist der Boden unter uns -
nämlich bestes Ackerland. Die Älteren und Einheimischen können sich vermutlich noch erinnern,
dass das Gebiet westlich des Schlossparks bis nach Schierstein früher landwirtschaftlich genutzt
wurde. Über Jahrmillionen haben sich am nördlichen Ende des Oberrheingrabens sandiger Lehm
und Löss in dieser Ebene angesammelt, in der jetzt das Gemeindezentrum steht. Das gestattete
ertragreichen Ackerbau und ergiebige Ernten auf einer der zahlreichen Streuobstwiesen - und das
alles in einem klimatisch begünstigten Landstrich mit milder Witterung. Von dieser eigentlich
gesegneten Kornkammer ist nicht allzu viel übrig geblieben; dafür befinden sich neben der
Wohnbebauung und diversen Gewerbebetrieben zwölf (sic!) Supermärkte und Discounter auf den
vormaligen Feldern und gewährleisten die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln. Und
was gibt es dort zu kaufen? Die Produkte der Lebensmittelindustrie, fein säuberlich in Plastik
verpackt und zum Schnäppchenpreis feilgeboten. Gerade im Lebensmitteleinzelhandel ist der
Preiskampf gnadenlos, da wird ohne Rücksicht auf Qualität jeder Cent abgewogen bzw. eingespart,
und dass nicht unbedingt von Personen, die dazu gezwungen wären. Es hat sich ein Volkssport
entwickelt, unter dem vor allem jene zu leiden haben, die diese Nahrung erzeugen und verkaufen.
Kaum kostendeckende Erlöse für Milchbauern, niedrige Löhne für Angestellte und Kassiererinnen,
die bei der Arbeit heimlich gefilmt werden und miese, gesundheitsschädliche und ausbeuterische
Arbeitsbedingungen für die Menschen, die unser Essen herstellen - und das meist ganz woanders
auf diesem Planeten. Trotz gestiegener Mineralölpreise wird immer noch mehr als die Hälfte aller
Nahrungsmittel über weite Strecken per LKW, Schiff oder Flugzeug zu uns in die reichen Länder des
Westens geschafft. Auch hier gilt das Prinzip der Kostensenkung: weil der Transport über die
Ozeane rund um die halbe Welt momentan noch billig ist und der Zeitfaktor zu vernachlässigen, da
kommt es unter der Vorgabe, die Auslandsschulden abzubauen und für den Weltmarkt zu
produzieren zu Auswüchsen, wie sie z.B. Urban Jonsson, der UNICEF-Beauftragte für Tanzania,
erzählt: «Wenn die Weltwirtschaft und die von Tanzania gut laufen, dann verkaufen die Dorfbewohner
viel von ihrem Mais und anderem Lagergetreide. Doch wenn die nationale Volkswirtschaft stockt,
fallen die Preise und geben den Farmern wenig Anreiz zum Verkauf. Deshalb machen die
Dorfbewohner das einzig Mögliche - sie behalten die Nahrung und essen sie selber.» Sie nutzen
ebenso das Land, das vorher dem Marktgetreide vorbehalten war, für ihren eigenen Verbrauch. Mit
anderen Worten: nur wenn sie nicht für den Export produzieren, dann können sie sich anständig
ernähren (zitiert nach Edward Goldsmith in: Surviving the century, London, 2007, Seite 69).
Jetzt werden Sie denken: das wissen wir doch längst, und was hat dies in einem Gottesdienst zu
suchen? Nun, fragen wir uns in diesem Zusammenhang noch einmal: welches Opfer akzeptiert
Gott? und dies, nachdem durch das Opfer Christi eine neue Wirklichkeit angebrochen ist, in der
nicht mehr in Opferkategorien gedacht und abgerechnet wird. An der Gemeinschaft festzuhalten, zu
teilen, so lautet die Parole, und das mit denen, die hierzulande und in den Entwicklungsländern dafür
sorgen, dass wir zu essen und sie nicht allzu viel zu lachen haben. Klar, es ist im Wortsinne billig,
dies einfach anzuklagen, ohne zu sagen, wie es besser zu machen wäre, vor allem wie in dieser
arbeitsteiligen Industrie- oder besser: Dienstleistungsgesellschaft, in der nur noch 2 % der
Beschäftigten von der Landwirtschaft leben und deren Versorgungsstruktur nicht einfach durch
noch so gut gemeinte Appelle in einer Sonntagsrede umgekrempelt werden kann. Was wir jedoch
machen können, ist, z.B. die Erzeugnisse und weitgehend unverarbeiteten Produkte kaufen, die hier
bei uns in der Region hergestellt und dann unter anderem auf dem Biebricher Wochenmarkt oder der
Domäne Mechthildshausen angeboten werden. Das hilft neben der Landschaftspflege, also dass
nicht noch mehr Flächen im ohnehin überlasteten Rhein-Main-Gebiet unter Beton verschwinden,
auch der Stärkung des ländlichen Raums und dient dem Erhalt von Arbeitsplätzen. Nicht nur hier,
sondern auch in der sogenannten Dritten Welt. Wenn die dortigen Bauern nicht mehr genötigt
würden, die guten Äcker für den Anbau von Exportprodukten, sondern für den Eigenbedarf zu
nutzen, dann könnte trotz eventuell fehlender Deviseneinnahmen der Wohlstand der einheimischen
Bevölkerung steigen: weil keine Grundnahrungsmittel für teures Geld aus den USA, Kanada,
Australien und der EU importiert werden bräuchten - und ein Mitmischen auf den globalen Märkten
nur mit Ausnahme und zu den Bedingungen des fairen Handels stattfindet.
Die Albert-Schweitzer-Gemeinde hat diese Form des Warenaustausch, diese praktizierte Solidarität,
so früh wie fast sonst nirgends eingeführt; und Jahre später muss daher gefragt werden: was
hindert eigentlich andere Gruppen und breite Kreise der Bevölkerung daran, sich solchen Initiativen
anzuschliessen? Wieso steigt nicht auch Otto Normalverbraucher um und erwirbt Genussmittel wie
Kaffee, Tee und Schokolade oder Orangensaft und Bananen, also alles Dinge, die bei uns nicht
wachsen und zum täglichen Überleben nicht zwingend nötig und daher Luxusprodukte sind - wieso
wird grundsätzlich nicht ein nur geringfügig über dem Weltmarktpreis liegender Aufschlag bezahlt,
damit es den fernen Nächsten ein wenig besser geht? Dieses Prinzip müsste zur offiziellen
Handels- und Entwicklungspolitik und im grossen Stil umgesetzt werden - doch wenn wir Christen
über die Zusammenhänge im Unklaren sind und nicht selber im kleinen Rahmen anfangen und fürs
Erste auf die fast schon klassischen Erdbeeren an Weihnachten und Äpfel aus Chile verzichten:
wer dann?
Jetzt mag der eine oder andere dem nicht zustimmen und lieber Nescafé trinken und so mithelfen,
die Arbeitsplätze auf der anderen Rheinseite in Mombach zu sichern. Solche Argumente sind völlig
berechtigt, und die Lösung eines solchen Dilemmas könnte sein, abzuwägen, wer es eher
verkraften kann, etwas von seinem absoluten oder relativen Wohlstand abzugeben. Oder, mit
anderen Worten, und im Sinne der Umgangssprache: welchen Mitmenschen sollen auch weiterhin
erdrückende Opfer abverlangt werden? Wie auch immer wir uns entscheiden: wir stecken in der
Zwickmühle unsres Lebensstils, unsrer Existenz fest, aus der wir uns aus eigener Kraft nur
schwer befreien können.
Deshalb zum Abschluss noch einmal zurück zum Hebräerbrief, wo der Opfergedanke spiritualisiert,
also weg vom Schlachtopfer auf eine geistige Ebene gehoben wird, wo der Dank für die Vergebung
aller Schuld und das Gute im Leben, zu allererst also für Christus und dann auch für ausreichende
und faire Nahrung - wo dies zur buchstäblichen selbstverständlichen Haltung wird: da gibts keinen
Unterscheid mehr zwischen heiligem Boden und Ackerland, weil die Heiligung, die ethische
Bewährung der Christenmenschen, im Alltag stattfindet. Wenn wir also die kleinen und leichten
Aufgaben einigermassen erledigen, dann könnten wir mit unseren geringen Mitteln Vorbild werden
und darauf hinwirken, dass die erforderlichen nächsten und grösseren Schritte zur Lösung der
wirklichen Probleme im gesamtgesellschaftlichen Massstab unternommen werden. Amen.

Jost Harzer