Pfingsten 2009

Pfingsten

Predigt: an Pfingstsonntag Text: Epheser 4, 11-16

Liebe Gemeinde:

Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes. 50 Tage haben Jesu Jünger damals gewartet, bevor sie mit dem, was sie erlebt hatten, bevor sie mit ihrer Botschaft von Jesus, an die Öffentlichkeit gingen.

50 Tage nach Ostern wurden Jesu Jünger erfüllt vom Heiligen Geist, vom Geist und von der Kraft Gottes, und von da an hatten sie den Glauben und den Mut, um die Botschaft weiterzugeben.

Viele Menschen hörten ihre Predigt von Jesus und kamen zur Gemeinde dazu. So entstand die Kirche.
Pfingsten - der Beginn, der Geburtstag der Kirche. Der evangelischen und der katholischen Kirche, der griechisch-orthodoxen und der russisch-orthodoxen Kirche, Pfingsten, der Geburtstag aller christlichen Gemeinden und Kirchen, der Beginn der einen Kirche Jesu Christi. Diesen Anfang dieser einen, weltweiten, christlichen Kirche feiern wir heute. Und dieser Anfang geschah durch Gottes Geist.
Gott ist der Grund der Kirche. Er hat sie ins Leben gerufen. Sie ist nicht das Werk von Menschen.

Unser Predigttext steht im Brief des Paulus an die Epheser. da schreibt Paulus im vierten Kapitel (Übersetzung: Die gute Nachricht):

„Er, Christus, hat die versprochenen Gaben ausgeteilt: Er hat die einen zu Aposteln gemacht, andere zu Propheten, wieder andere zu Evangelisten, zu Vorstehern oder Lehrern der Gemeinde.

Deren Aufgabe ist es, das Volk Gottes für seinen Dienst bereitzumachen und den Leib Christi aufzubauen. So soll es dahin kommen, dass wir alle durch denselben Glauben und durch die gemeinsame Erkenntnis des Sohnes Gottes verbunden werden.
Dann bilden wir zusammen den vollkommenen Menschen, der Christus ist, und wachsen in die ganze Fülle hinein, die Christus in sich umfasst.
Wir sind dann nicht mehr Kinder, die von jeder beliebigen Behauptung umhergeworfen werden wie ein Schiff von Wind und Wellen.
Wer im Glauben unmündig ist, wird das Opfer betrügerischer Menschen, die andere durch falsche Vorspiegelungen auf Irrwege locken.
Wir dagegen wollen zu der Wahrheit stehen, die Gott uns bekannt gemacht hat, und in Liebe zusammenhalten. So werden wir in allem zu Christus emporwachsen, der unser Haupt ist.
Von ihm her wird der ganze Leib zu einer Einheit zusammengefügt und durch verbindende Glieder zusammengehalten und versorgt. Jeder einzelne Teil erfüllt seine Aufgabe, und so wächst der ganze Leib und baut sich durch die Liebe auf."

Der Leib mit seinen Gliedern. Wie wirkt dieses Bild auf Sie, liebe Gemeinde?

Nun, zuerst müsste ich wohl fragen: Was für einen Leib stellen Sie sich vor?

Vielleicht einen, der ruhend in der Sonne liegt? Die Augen sind geschlossen, die Haut nimmt die Wärme der Sonnenstrahlen auf, die Ohren hören auch die leisesten Geräusche, vorübergehende Schritte oder die Blätter im Wind.
Oder stellen Sie sich einen anderen Leib vor? Einen, der sich bewegt, der läuft und springt oder tanzt? Einen Leib voller Energie?

In jedem dieser beiden Fälle ist das Bild vom Leib und den Gliedern ein friedliches Bild.
Ein Leib lebt in Harmonie und Übereinstimmung mit seinen Gliedern. Jedes Glied hat seine eigene Aufgabe, und alle wirken zusammen, damit es dem Leib gut geht und damit er tun kann, was er tun will. Das ist so selbstverständlich, dass wir gar nicht darüber nachdenken. Unser Leib, ein gut organisiertes, harmonisches Gebilde.

Ist ein so harmonisches und friedliches Bild eigentlich angemessen für unsere Gemeinde, für unsere Kirche im Jahr 2009?

Was mir bei dieser Frage als erstes auffällt, ist die Tatsache, dass immer nur ein geringer Teil der Glieder, also unserer Gemeindeglieder, zusammenkommt. Sowohl hier im Gottesdienst als auch in den Kreisen unserer Gemeinde und bei den verschiedenen Aktivitäten und Veranstaltungen.

Viele Mitglieder geben über lange Zeit der Gemeinde kaum ein Lebenszeichen. Und das ist - um in diesem Bild zu bleiben - für den Leib nicht gut.
Er kann sich nicht so gut bewegen, wenn viele Glieder nicht mehr lebendig sind. Denn diese Glieder sind ja trotzdem da. Man kann sie sehen oder man weiß von ihnen. Sie werden nicht einfach vergessen, diese unbewegten Glieder, sie werden mitgetragen.
Solange einige seiner Glieder am Leben sind, solange bleibt auch der Leib am Leben. Es ist noch Leben in ihm. Es ist noch Leben in der Gemeinde, Leben in unserer Kirche.

Zum Beispiel heute morgen in diesem Gottesdienst. Einige Menschen, Mitglieder unserer Gemeinden, haben ihre Begabungen eingesetzt, damit wir hier so zusammen sein können: Ich denke an unseren Küster, Herrn Malki, und an den Kantor, Herrn Schermuly sowie unseren Kirchenchor, Ich denke an die Mitglieder des Kirchenvorstands, die die Lesung halten, die die Kollekte nach dem Gottesdienst zählen werden. Und ich denke an alle, die zu diesem Gottesdienst gekommen sind und durch ihre Anwesenheit, durch ihr Mitsprechen und Mitsingen, durch eine Begrüßung oder einen Blick zum Nachbarn dazu beitragen, dass wir uns wohlfühlen und im Namen Gottes Gemeinschaft erfahren können.

Und wie bei diesem Gottesdienst, so ist es auch sonst im Leben unserer Gemeinde: Verschiedene Menschen setzen ihre unterschiedlichen Gaben ein,
so dass die Gemeinde leben kann,
so dass Menschen in ihr eine Heimat finden,
so dass Menschen von der Güte Gottes erfahren.
Keiner muss alles oder ganz vieles alleine tun. Niemand muss mehr tun, als er oder sie kann und mag.

Paulus nennt in unserem Text ja einige Beispiele, wie Menschen ihre Gaben für die Gemeinde von Ephesus einsetzen: manche sprechen Prophezeiungen aus, manche geben Unterricht, manche erzählen anderen von der Botschaft Jesu.

Und wir können selbst noch Beispiele hinzufügen: diskutieren und beraten, singen oder ein Instrument spielen, sich mit Kindern beschäftigen oder mit Jugendlichen, lesen und erzählen, Auto fahren oder kochen, Blumen pflanzen oder Infos falten, jemanden besuchen, reden und zuhören - all das sind Gaben, die wir in unserer Gemeinde brauchen.

Damit ist allerdings nicht gesagt, dass ein Gemeindeglied immer nur ein und dieselbe Begabung einsetzen soll. Dass der eine z.B. immer nur Kaffee kocht und die andere immer nur predigt.
Jeder Mensch hat verschiedene Gaben. Und unbegabt ist niemand. Reden und zuhören z.B. können eigentlich alle. Und lachen und weinen und trösten und helfen und vieles mehr.

All diese Gaben sind uns von Gott gegeben, und all diese Gaben braucht unsere Gemeinde, unsere Kirche, zum Leben.
Und immer wieder finden sich bei uns Menschen, die bereit sind, ihre Gaben für das Leben der Gemeinde einzusetzen, damit sie leben kann.

Der Leib mit seinen Gliedern. Passt dieses Bild zu unserer Gemeinde? Passt es zur Kirche?
In unserem Predigttext lesen wir, dass dieser Leib noch nicht vollkommen ist. Er muss noch aufgebaut werden, er muss wachsen. Und dann soll es dahin kommen, dass schließlich alle im Glauben miteinander verbunden sind, dass alle zusammengehören wie Glieder an einem richtigen Leib.

Das ist jetzt noch nicht der Fall. Es gibt Feindschaft und Gleichgültigkeit, es gibt Lieblosigkeit und Hochmut, auch in der Kirche. Die Kirche ist nicht vollkommen. Aber der Grund ist gelegt: Gott hat seinen Geist in die Herzen der Menschen gegeben. Viele Menschen leben als christliche Gemeinde in der Nachfolge Jesu durch den Geist Gottes. Dieser gute Geist, der die ersten Christinnen und Christen erfüllt hat, erhält auch heute unsere Kirche am Leben. Amen.Karin Meier