Predigt am 11.2.2007
Predigt am 11.2.2007 Text: Jes 55, 10-12a
Liebe Gemeinde,
Gottes Wort ist ein Wort, das wirkt. Kein leeres Wort, kein Wort, das verhallt und vergeht. Gottes Wort schafft eine Wirklichkeit.
Das wissen wir ja ganz gut aus dem Anfang der Bibel, aus dem Schöpfungsbericht, wo Gott spricht: "Es werde" - und es geschieht.
"Es werde Licht" - und es wurde Licht. Wir, die wir durch Gottes Wort geschaffen wurden, mit einem lebendigen Leib und einer lebendigen Seele, wir Menschen haben in unseren Worten auch eine solche Kraft.
Auch unsere Worte können wirken. Auch wir können Worte sprechen, die bedeutsam sind, nicht nur so dahingesagt, im Plauderton – gesagt und vergessen. Auch unsere Worte können sehr wirksam sein.
Z.B. wenn man sich sagt: "Schön, dass ich Sie sehe heute morgen" - oder - "Ich freue mich immer, wenn ich Ihnen begegne".
Wenn Ihnen das gesagt wird, liebe Gemeinde - so ganz einfache Worte, die aber aus dem Herzen kommen - dann spüren Sie, wie sich Ihr Tag verändert, wie er heller und fröhlicher wird. Und es gibt Menschen unter uns, die haben eine ganz besondere Gabe, solche Worte zu sagen, wirksame Worte, die den anderen lange begleiten.
Solche Worte, gute, ermutigende Worte, haben wir schon als Kinder gesagt bekommen - hoffentlich recht oft. Worte wie "wie schön du das gemacht hast!" oder "du wirst schon deinen Weg finden, da bin ich ganz sicher" oder "gut, dass du da bist". Diese Worte - gesagt vom Vater oder der Mutter, von der Großmutter oder der Tante - diese Worte haben wir gebraucht, wir haben sie uns gemerkt, an einige können wir uns bis heute wortwörtlich erinnern. Und ohne diese Worte hätten wir vieles in unserem Leben gar nicht erreicht.
Denn es gibt ja auch die anderen Worte: "Das schaffst du nie!“ – „Aus dir wird nie was Gescheites“ – „Du machst mich krank“ oder: „ du bringst mich noch ins Grab."
Das waren Worte, die es uns schwer gemacht haben, unseren Weg zu gehen. Sie haben uns manche Möglichkeit, manchen Erfolg und manche Freude verbaut.
Worte können unabsehbare Wirkungen haben. Oftmals sind die, die sie aussprechen, sich dessen gar nicht bewusst. Welche Worte mögen wir nicht schon gesprochen haben, die einen anderen Menschen mutlos machten, und ebenso welche guten, welche wohltuenden Worte haben wir anderen Menschen schon gesagt!
Wenn also schon unsere Worte solche Wirkung haben können, so sind sie doch nur ein schwacher Abglanz von Gottes Wort. Und so heißt es im Buch Jesaja, Kapitel 55:
"Gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie Samen gibt, zu säen und Brot, zu essen, so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende. Denn ihr sollt in Freuden ausziehen und in Frieden geleitet werden."
Ein schönes Bild für Gottes Wort, finde ich: es ist wie ein Regen, der die Erde feuchtet und erblühen lässt. Es tut gut, es tut wohl, es erfrischt und belebt.
Und darum kommen wir auch hier im Namen Gottes zusammen, um dieses gute Wort zu hören, weil uns selbst oft die guten Worte fehlen.
Wir haben sie ja noch in den Ohren, Worte, die Ärger und Mutlosigkeit bewirken: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben" z.B. Wie wirkt dieses vielzitierte Wort auf Menschen, die nicht auf der Gewinnerseite stehen? Auf Arbeitslose, Frührentner, auf Jugendliche, die keinen Platz in der Gesellschaft finden? Ein verletzendes Wort. Es sagt soviel wie: "Wenn es dir schlecht geht, dann bist du zu spät gekommen und hast selbst schuld."
Ein anderes Beispiel: Bei der Feier eines Firmenjubiläums erlebte ein junger Mann, dass man einander mit großer Freundlichkeit begegnete. Bald kam jemand auf ihn zu mit einem fröhlichen "Hallo, wie geht's". Er war angenehm berührt, aber ehe er antworten konnte, hatte der andere sich schon mit der gleichen Frage an den nächsten gewandt. Dann kam wieder jemand - er fragte dasselbe. Der junge Mann begann zu erzählen, aber sein Gegenüber hörte ihm gar nicht recht zu. Er schien ganz andere Gedanken im Kopf zu haben, nach einer Weile murmelte er eine Entschuldigung und wandte sich ab. Der junge Mann begann zu begreifen, wie es hier zuging.
Alle waren voller Freundlichkeit - aber keiner hatte Interesse am anderen. Beim dritten Frager antwortete er schon schnell: "es geht". Am liebsten hätte er gerufen: "Warum fragst du mich denn, wenn du gar nicht hören willst, wie es mir geht."
Worte, die Ärger und Mutlosigkeit bewirken. Solche Worte helfen uns nicht weiter. Wir brauchen keine achtlos dahingesagten Worte, wir brauchen keine Worte, die verurteilen und zerstören.
Was wir suchen sind Worte, die Hoffnung geben. Was wir hören möchten, nach all den vielen anderen Worten, ist das Wort Gottes.
Es ist nun zwar nicht so, dass Gottes Wort nur in der Kirche erklingt oder dass es ausschließlich in der Bibel zu finden ist. Aber die Bibel ist das älteste und zuverlässigste Zeugnis unseres christlichen Glaubens. Und darum hat es seinen guten Sinn, wenn wir immer wieder die biblischen Texte lesen und auslegen. So kann aus diesen Texten Gottes Wort für uns lebendig werden.
Wenn wir dieses Wort Gottes hören und in uns aufnehmen, dann wird es auch bei uns seine Wirkung haben, wie ein Regen im fruchtbaren Land. Dann werden die hilfreichen Worte in uns stärker sein als die zerstörerischen. Dann wird der Segen den Fluch überwinden.
Gottes Wort wird nicht leer zurückkommen, sondern tun, was Gott gefällt, und ihm wird gelingen, wozu er es gesandt hat.
Wenn Sie, liebe Gemeinde, nun einmal weiter nachdenken über dieses Wort Gottes, dann kommt Ihnen wahrscheinlich auch der Beginn des Johannesevangeliums in den Sinn, wo es heißt:
"Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott...Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit, als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit."
Jesus Christus ist das Wort Gottes, das Mensch geworden ist. Er wurde das lebendige Wort Gottes. An ihm sahen die Menschen, wie Gott sein Wort gemeint hatte. Sie sahen sein Erbarmen mit den Menschen, sie sahen, wie er Selbstgerechtigkeit ablehnte und Unrecht verurteilte, sie erkannten Gottes Güte in dem, was Jesus tat. Gottes Wort wurde in ihm noch einmal in besonderer Weise wirksam. Und die Menschen bewahrten dieses Wort in ihren Herzen.
Und die Worte Jesu leben weiter, zwischen all den anderen Worten, die so mächtig zu sein scheinen in dieser Welt:
Sein "Selig sind die Armen!"
neben dem Satz "Wer Geld hat, ist glücklich!",
sein "Liebe deine Feinde"
neben dem Motto "Jeder ist sich selbst der Nächste"
sein "Wer an mich glaubt, wird in Ewigkeit leben"
neben der Ansicht "Mit dem Tod ist alles aus".
Es lohnt sich, über diese Worte nachzudenken und ihre Wahrheit aufzuspüren. Eine Wahrheit, die sich sicher nicht so einfach beweisen lässt, die wir aber erfahren können, wenn wir diesem Wort vertrauen.
Gott sendet sein Wort aus, das dem Regen gleicht. Es kehrt nicht wieder leer zurück, nein, es entfaltet seine gute Wirkung in den Menschen, die es hören, in den Menschen, die in seinem Sinne leben.
Und - zu seiner Zeit - kehrt es wieder zu Gott zurück.
Wenn unsere Worte vergehen und unsere Welt vergeht, eines Tages, dann bleibt Gottes Wort bestehen, sein Wort über uns und alle Menschen, sein gnädiges Wort. „Du hast Worte des ewigen Lebens“, haben die Jünger zu Jesus gesagt. „Darum bleiben wir bei dir.“ Auch wir können in der Nachfolge Jesu bleiben, trotz aller Unsicherheiten und Zweifel, wenn wir an seinem Wort festhalten. Die Worte der Bibel, die Worte im Gesangbuch und viele andere Worte gläubiger Menschen – all diese Worte geben Mut und Halt. Und wir erleben ihre Kraft, wenn wir nicht aufhören, sie zu singen, zu beten, zu lesen und zu hören.
Ich wünsche uns, liebe Gemeinde, dass wir immer wieder aufs neue die Worte finden, die unser Leben hell machen und unseren Weg erleuchten und an denen wir Trost finden, wenn wir Trost brauchen. Amen.
Karin Meier