Predigtt am 08.03.2009

Predigttext für den 08.03.2009, 2. Sonntag der Passionszeit, Mk 12,1-12

Der Predigttext, der für diesen Sonntag vorgesehen ist und den Sie gleich lesen können - dieser
Abschnitt aus dem Evangelium nach Markus erfordert einige Vorbemerkungen. Gerade in diesem
Lande mit seiner unheilvollen Vergangenheit ist dieser Text auch von protestantischer Seite
missbraucht worden, indem die üble anti-jüdische Polemik des (uns unbekannten) Verfassers
dieses Evangeliums unkritisch übernommen wurde, wenn es darum ging, die jüdische Religion
abzuqualifizieren oder gar Stimmung gegen Angehörige des einen Volkes Gottes zu schüren. Dabei
wird der historische Hintergrund zur Zeit der Entstehung des Textes ausgeblendet, und der bestand,
um es kurz zu fassen, in den Erfahrungen, die die Menschen aller Schattierungen jüdischen
Glaubens in Palästina um das Jahr 70n nach der Eroberung Jerusalems und der Zerstörung des
dortigen Tempels gemacht hatten. Für beide, traditionelle Juden und die von ihnen abgespaltene
Fraktion des neuen Weges, die sich später zum Christentum entwickelte, für diese zwei religiösen
Gruppen ging es zunächst darum, unter der nunmehr totalen römischen Herrschaft überhaupt und
weiterhin Bestand haben zu können - und dies wurde versucht, indem die je eigene
Anhängerschaft durch so etwas wie innere Mission auf die jeweiligen Kernthesen eingeschworen
wurde bzw. diese zentralen Glaubensaussagen erst einmal formuliert und der veränderten prekären
Situation angepasst werden mussten. Dass in einem solchen Prozess nicht immer eine
umgängliche oder wenigstens diplomatische Sprache verwendet wird, liegt auf der Hand - das
kennen Sie z.B. aus den Wahlkämpfen unserer Tage, wo es mit Genauigkeit und Wahrheit auch
nicht allzu weit her ist und eine bisweilen beängstigende Schwarz-Weiss-Malerei vorherrscht, die
den differenzierenden Blick auf die Dringlichkeit so mancher Probleme versperrt.
Nun ist dem als Autor genannten Markus zugutezuhalten, dass es ihm in der Hitzigkeit der
Auseinandersetzung immerhin gelungen ist, eine neue literarische Gattung geschaffen zu haben:
sein Evangelium ist der Prototyp und er der Erfinder dieser Sorte Text - indem er dabei Elemente, wie
sie in antiken Biographien üblich waren, mit einem Glaubenszeugnis kombiniert, das eben zum
Glauben aufrufen will. Zum Glauben an den rund vierzig Jahre vorher gestorbenen und
auferstandenen Jesus von Nazaret, den Christus, auf den sich seine Jünger und Sympathisanten
berufen und der zum Namensgeber ihrer Bewegung wird. «Markus» (so nennen wir den Autor der
Einfachheit halber im Folgenden; einige Forscher vermuten hingegen, dass ein kleines Team in
kollektiver Arbeit den Text im syrischen Raum konzipiert hat) verarbeitet zu diesem Zweck
vorhandenes Material: mündliche und schriftliche Überlieferungen über Jesus, seine
Wundergeschichten, die Gleichnisse, die er erzählt hat ebenso wie seine Worte und Gespräche, die
von Menschen, die ihn er- und überlebt haben, weitergegeben wurden und die «Markus» dann in der
Erfahrung des erwähnten innerjüdischen Richtungsstreits zu Papyrus bringt (Papier, wie wir es
gewohnt sind, gab es noch nicht).
Bisher nämlich hatte sich die Kenntnis von Jesu Leben und Lehre weitgehend aufs Hörensagen
beschränkt, nun also bekommt das ganze eine schriftlich fixierte räumliche und zeitliche Ordnung -
und dabei gibt das öffentliche Wirken des Mannes aus Nazaret die Spur der Erzählung von der
guten Nachricht, und das alles vor dem Horizont seines Todes am Kreuz, auf den alles hinausläuft
und der gewissermassen die faktische und inhaltliche Pointe ist. Was der irdische Jesus also vor
diesem Höhepunkt getan und gesagt hat, das soll also nun auch den Anhängern, die wie wir
keinen (konkreten) jüdischen Hintergrund haben, ins Gedächtnis geholt werden, und solche
Erinnernungsarbeit leistet in drastischen doch erbauenden Worten unser Predigttext, den Sie nun
nach langer Vorrede hören:
Mk 12,1-12
Und er begann in Gleichnissen zu ihnen zu reden: Es pflanzte einer einen Weinberg, zog einen
Zaun ringsum, grub eine Kelter und baute einen Turm. Dann verpachtete er ihn an Weinbauern
und ging ausser Landes.
Und zu gegebener Zeit schickte er einen Knecht zu den Weinbauern, um von den Weinbauern
seinen Anteil am Ertrag des Weinbergs einzuholen. Sie aber packten ihn und schlugen ihn und
schickten ihn mit leeren Händen fort. Da schickte er einen anderen Knecht zu ihnen; den
schlugen sie auf den Kopf und misshandelten ihn. Und er schickte einen anderen, und den
töteten sie, und viele andere, die einen schlugen sie, die anderen töteten sie. Einen hatte er noch:
den geliebten Sohn. Den schickte er als letztes zu ihnen, denn er sagte sich: Vor meinem Sohn
werden sie Respekt haben. Jene Weinbauern aber sagten zueinander: Das ist der Erbe. Kommt,
wir wollen ihn töten, dann wird das Erbe uns gehören. Und sie packten ihn und töteten ihn und
warfen ihn aus dem Weinberg.
Was wird nun der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Weinbauern umbringen und
den Weinberg anderen geben. Habt ihr dieses Schriftwort nicht gelesen:
Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,
er ist zum Eckstein geworden,
durch den HERRN ist er das geworden,
und wunderbar ist er in unseren Augen.
Da hätten sie ihn gerne festgenommen, doch sie fürchteten das Volk. Sie hatten nämlich erkannt,
dass er das Gleichnis auf sie hin gesagt hatte. Und sie liessen ihn stehen und gingen fort.
Sie sehen…die Absicht, die Jesus mit der Erzählung dieses Gleichnisses gehabt hat, die hat ihr
Ziel nicht verfehlt. Die Adressaten innerhalb des Evangeliums sind hier die jüdischen Autoritäten, die
Hohen Priester, Schriftgelehrten und Ältesten der offiziellen jüdischen Mehrheitsgemeinde in
Jerusalem. Jesus befindet sich mit seinen Jüngern in der heiligen Stadt, nachdem er vorher in
seiner Heimat Galiläa gepredigt, geheilt und gelehrt und Zeichen und Wunder getan hat. Nun geht es
aufs Pesachfest zu und in die Passionsgeschichte hinein, und wie die endet, das wissen Sie alle.
Und ihnen ist aus der Bibellektüre und Ihrer Lebenserfahrung heraus ebenfalls bekannt, dass
Jesus ziemlich häufig abgelehnt wird oder auf Unverständnis stösst oder nicht als der Sohn Gottes
erkannt wird. Woran das dann im Einzelfall liegt oder scheitert, dazu kommen wir später; wer sich im
Moment angesprochen und gemeint weiss, dass ist in der Darstellung von «Markus» die jüdische
religiöse und politische Elite. Auf sie hin hat Jesus sein Gleichnis formuliert, dies erkennen sie, wie
es im letzten Absatz heisst, selber - und insofern ist dieses Gleichnis eines von den nicht ganz so
schwer zugänglichen: mit dem Weinberg ist Israel, das eine Volk Gottes gemeint, jene Menschen,
die er erwählt und aus der ägyptischen Sklaverei befreit hat (siehe auch Ps 80,9ff). Der Herr des
Weinbergs ist Gott selber, und es ist wohl nicht eben so zufällig Wein, der angebaut wird, diese
Metapher für Leben und die angenehmeren Seiten daran - Gott wird hier mit dem landläufig positiv
verknüpften Charakter eines Winzers oder Gutsbesitzers versehen und nicht etwa mit dem eines
Handwerkers, der eine Manufaktur zur Fabrikation von Kriegsgerät leitet oder dem eines
Kernkraftwerk-Direktors oder Aufsichtsratsvorsitzenden eines kommunalen Stromversorgers. Die
Trennung von literarischer Bearbeitung und der Realität bzw. der Wirklichkeit Gottes ist hier eher
unscharf, vielmehr berühren sich diese beiden Ebenen, was das Verständnis nicht immer
erleichtert, vor allem wenn es darum geht, nachzuvollziehen, warum der Besitzer des Weinbergs so
rabiat mit den Pächtern abrechnet. Deshalb noch einmal zurück zu den Figuren im Text. Ihre Rollen
sind schnell verteilt und eindeutig besetzt, und so wie sie sich darstellen - da erschliesst sich
vielleicht auch ihnen recht rasch, was eigentlich gemeint ist. Denn der Sinn des Gleichnisses kann
durch Deutung der Hinweise im Text quasi herausgefiltert werden, und dies ist durch die
verwendeten Bilder möglich.
Der Herr des Weinbergs, das hatten wir schon, ist Gott der Schöpfer, der hier seinen
Wirkungsbereich auf ein Stück Rebland beschränkt. Wie so mancher Grossgrundbesitzer alter
Schule legt er, nachdem die Produktionsgrundlagen geschaffen wurden, nicht unbedingt selbst
Hand an, und verpachtet seinen Boden an dritte (wobei das nicht ganz glücklich ausgedrückt ist,
schliesslich steht Israel in Gottes Gunst an erster Stelle). Gleichzeitig hat er nach wie vor einen
Stab persönlicher Mitarbeiter, die nach dem Rechten sehen und seinen Anteil am Ertrag sichern
sollen. Damit treten die Propheten auf, die Gott zeit seines Wirkens beauftragt hat, seinen Willen
kundzutun - und zwischen den Zeilen kommt zum Vorschein, dass eben auch Jesus in diese Linie
eingereiht wird. Freilich als das letzte As im Ärmel, welcher dann doch noch rettet, was zu retten ist.
Dazu ists natürlich nötig, dass im Weinberg solid gewirtschaftet wird und dass die Arbeit gute
Frucht bringt. Der Vertrauensvorschuss, das fremde Land zu bebauen und das Wohlwollen des
Besitzers nicht zu verspielen, mahnt also zu Wachsamkeit und Sorgsamkeit.
So weit so gut, das ist bis hierhin einleuchtend und wenig aufregend. Jetzt kommt jedoch der
Kunstgriff des «Markus», der diesen landwirtschaftlichen Sachverhalt mit der ebenfalls alltäglichen
Erfahrung von Bosheit verbindet und dies in Zusammenhang mit dem Ungehorsam der Israeliten
bringt - wie er schon beim Propheten Jesaja (Jes 5,1-7) beklagt wird. Halten Sie dabei bitte immer
noch im Hinterkopf, dass nicht Jesus hier spricht, sondern dass «Markus» hier im Agit-Prop-Stil
diese Worte dem Mann aus Nazaret in den Mund legt. Dass es genau die Worte aus dem Psalm
118 sind, ist zunächst eine Provokation: eines der zentralen Loblieder Israels, in welchem der
Allmächtige auch um Hilfe und Gelingen gebeten wird (das bedeutet der Ausruf Hosianna!): das
geht im System von «Markus» eine Verbindung mit dem Vorwurf ein, Jesus nicht erkannt und
gewürdigt und ihn verworfen zu haben - wie jenen Stein, der unscheinbar daherkommt und doch aus
anderer Sicht so wunderbar ist. Was also als Verstocktheit kritisiert wird, ist eigentlich ein
Entgegenkommen auf jene zu, die das, was Sache ist, ablehnen. Nämlich die Eigenart oder besser:
Einzigartigkeit des Messias und Gottessohnes Jesus, des Retters, dem mehr Vertrauen
geschenkt werden soll als den eigenen Fähigkeiten, das Ergehen zum Guten wenden zu können.
Ebenso wie der Rückgriff auf die Warnungen des Jesaja, die nicht erhört wurden und in staatlichem
Niedergang und babylonischem Exil traurige Bestätigung fanden - sie werden von «Markus» auf die
Pächter des Weinbergs übertragen: er zeichnet sie als undankbare und störrische Figuren, die erst
den Sohn töten und dann selber umgebracht werden.
Spätestens hier könnten Fragen auftauchen, warum eigentlich die Weinbauern schlagen und töten?
Blosse Lust an Gewalt, einfach aus Langeweile, wie es bei so manchen lückenhaft erzogenen
Jugendlichen unserer Tage vorkommt - das wird es wohl nicht sein. Haben die Winzer etwas zu
verbergen oder weshalb rücken sie nicht raus mit dem Ertrag und riskieren, ihre Pacht und damit
ihre Lebensgrundlage zu verlieren - wozu es dann letzten Endes ja kommt? Kann es vielleicht sein,
dass sie nicht nach guter fachlicher Praxis gehandelt und deshalb gar nichts anzubieten haben,
was sie hergeben könnten? Deshalb noch einmal zurück zur schon angeführten Stelle bei Jesaja,
die ja die Vorlage für das Motiv des Weinbergs liefert. Dort heisst es (Jes 5,2+4), dass die
Hoffnung, dass der Weinberg Trauben trage, enttäuscht wurde, und nur stinkende Fäulnis
hervorbrachte. Und so detailliert dort auch der Umgang mit dem Weinstock geschildert wird - es wird
doch deutlich, dass es um mehr geht als volle Fässer und gute Tropfen: nämlich um die Beziehung
zwischen Gott und seinen erwählten Geschöpfen, den Menschen des einen Volkes Israel. Im
letzten Satz dieses Weinbergliedes heisst es (Jes 5,7b):
Und er hoffte auf Rechtsspruch, doch seht: Rechtsbruch!
Und auf Gerechtigkeit, doch seht: Schlechtigkeit!
Das hält also ein Angehöriger des Gottesvolkes den eigenen Leuten unter die Nase - und wer hier
im Raum, der allein schon der vielen Fenster wegen einem Glashaus ähnelt, ohne Sünde ist, der
werfe den ersten Stein. Denn mit Sünde ist doch nichts anderes gemeint als das grundsätzliche
Verpassen Gottes und seines Willens - und darin unterscheiden auch wir heutigen
Christenmenschen uns wenig von den Halunken im Weinberg. Wir mögen ja nicht unbedingt und
unmittelbar auf das Erbe spekulieren - doch mit bösen Taten, Unterlassungen oder absichtsvollen
Handlungen gegen die Lebensperspektive, die Gott gegeben hat, laden wir tagtäglich, ob bewusst
oder gedankenlos oder weil wir in kompliziert zu verändernden Strukturen stecken - darum laden wir
Schuld auf uns: es muss ja nicht gleich Mord und Totschlag sein. Schuldig werden die einzelnen
Menschen durch konkretes Fehlverhalten ihresgleichen gegenüber; sündig sind wir im Bezug auf
Gott: eben weil er gar nicht erkannt wird und wenn doch, bisweilen eine Haltung an den Tag gelegt
wird, die sich zwar am Scheitern, Versagen und Verpassen erkennt und doch von sich selbst
verlangt, genügen zu müssen - was das ganze nur noch schlimmer macht. Wobei schon die
Erkenntnis Gottes für sich genommen schwierig genug ist (vor allem, wenn sie nicht vom heiligen
Geist erbeten und geschenkt wird). Eine Ahnung vom Himmelreich, auf das Erbe, das mögen viele
haben - doch den Weg dorthin zu finden: das ist das Problem. Vor dem nicht nur die ach so bösen
Weinbauern stehen…selbst die unmittelbaren Weggefährten Jesu tappen oft genug im Dunklen
(zumindest in der ersten Hälfte des Evangeliums nach Markus bis 8,26), und wenn sie den Mann
aus Nazaret doch als den rettungbringenden Sohn Gottes wahrnehmen - dann gebietet er ihnen,
dies eben nicht publik zu machen. Das ist schon überraschend, denn schliesslich ist mit seiner
Person auch die Lehre und Botschaft von der Nähe der Königsherrschaft Gottes ebenso verknüpft
wie mit der Umkehrforderung und dem Aufruf zum Glauben (siehe Mk 1,15). Zu diesem Zweck hat,
auch dies sei wiederholt, «Markus» sein Evangelium komponiert, denn ab dem Bekenntnis des
Petrus, der im 29. Vers des achten Kapitels des Evangeliums nach Markus Jesus zuruft: «Du bist
der Messias!»
, wird deutlich, was gemeint ist, wer gemeint ist mit dem Erben, der umgebracht wird:
es ist die Offenbarung Gottes in der Person Jesu. Den geliebten Sohn nicht zu erkennen oder
sehenden Auges zu verachten: ist das ein Kavaliersdelikt, damals oder im Rahmen des
Gleichnisses oder für uns Menschen im 21. Jh., und was ist die Differenz in dieser Hinsicht zum
Judentum? Immerhin hat selbst jene Figur, auf die die Kirche sich gründen sollte, ebenjener Petrus,
später Jesus verleugnet, ehe der Hahn zweimal krähte, während die Römer und die jüdische Elite
dabei waren, kurzen Prozess mit dem Mann aus Nazaret zu machen.
Also: vielleicht mussten diese Auseinandersetzungen zum show-down kommen, so wie sie in der
Weinbergs-Geschichte anklingen, wo der Sohn im Gleichnis stirbt wie Jesus am Kreuz. Darin gipfelt
dann in der Realität vieles von dem, was vorgezeichnet war: der Herr des Weinbergs bzw. sein Erbe
sind die Regenten über das Leben nicht nur jenem der Weinbauern, sondern überhaupt (dies hier
noch einmal zur Wiederholung: Wein ist ja auch so eine Metapher für Leben). Und wer an diesen
König glaubt und sich ihm unterstellt, der ist zu einem Leben befreit, dass sich sonst keiner
anderen Instanz verpflichtet weiss als dem Willen Gottes. Dann ist zweitens durch den Tod des
Sohnes ein buchstäblicher Zustand der Versöhnung hergestellt, doch nicht durch eine archaische
Opferpraxis, die darauf abzielt, Gott zu besänftigen. Vielmehr ist dies eine, besser: die
entscheidende Fürbitte, die Christus für jeden von uns hält, auf dass die Menschen sich ändern
mögen. Diese Wiedergeburt zu neuem Leben, die Heiligung, ist genauso Wirkung des Glaubens
wie die Versöhnung mit Gott im Akt der Sündenvergebung, die die Gerechtsprechung eines
Menschen zur Folge hat. Dieser Vorgang geht (durch die vom heiligen Geist vermittelte Einheit mit
Christus) von Gott aus, was dann einerseits von Selbstüberschätzung und Selbstüberforderung
entlastet, weil Gott uns seine Zuwendung zusagt - und zum anderen, wo ein Mensch Gottes
Vergebung annehmen kann, dort dann neue Möglichkeiten entstehen, auch Schuld abzutragen und
den Mitmenschen zu vergeben (darum bitten wir jedesmal im Unser-Vater). Und, abschliessend, so
wie Jesus in unserem Gleichnis in die Tradition der jüdischen Propheten gestellt wird, so geht es
auch heute noch so manchen, die unbequeme Wahrheiten verkünden. Wenn wir kurz einmal den
theologischen Bereich verlassen und die physische Welt, d.h. letztlich: Gottes Schöpfung, in den
Blick nehmen…die Mahner und Propheten von Verzicht und Klimawandel, angefangen von Dennis
Meadows und dem Club of Rome bis hin zu Al Gore: sie geben zwar nicht direkt den göttlichen
Willen zum besten; es ist jedoch immerhin vorstellbar, dass das, was an Verhaltensänderungen
und Reformvorschlägen in ökologischer und ökonomischer Hinsicht ausgesprochen wird, dass
dies im Sinne Gottes sein könnte. Freilich soll und darf daraus keine Ersatzreligion werden, denn
dies würde dem prophetischen Amt Jesu zuwiderlaufen: er kann in seiner Eigenschaft als wahrer
Mensch und wahrer Gott den ursprünglichen Willen verkünden, ja er verkörpert ihn sogar
unmittelbar…eben durch seine Lehre und die Art und Weise, wie er gelebt hat. Was in diesem Fall
nicht weiter verwunderlich ist oder gerade doch: schliesslich ist er Gottes Wort…Gottes Ja-Wort zu
den Menschen. Das zwar bisweilen etwas verborgen ist und komplex dargeboten wird wie in den
Gleichnissen oder dieser Predigt, jedoch nicht ohne Rückbindung an das Zeugnis der biblischen
Schriften. Diese sind ebenso Teil unseres Erbes wie der Inhalt dessen, was den Weinbauern,
seien sie Juden oder Christen, in Erbpacht versprochen ist: das Reich Gottes. Und dieses
besteht, wie der Apostel Paulus schreibt (Röm 14,17), in Gerechtigkeit, Frieden und Freude im
heiligen Geist
. Wein und berauschende Getränke sind dazu nicht zwingend nötig; Nüchternheit und
Vertrauen auf Gott tuns auch. Amen.

Jost Harzer